Streckenflugbericht von Renato Barnetta (mit Video)
Der Waadtländer Startplatz Mauborget gilt als hervorragender Ausgangspunkt für Streckenflüge – insbesondere für Flüge vom Jura ins Mittelland. Am 18. Mai 2025 war so ein Tag mit Potenzial, um sogar ins Toggenburg zu fliegen.
Der Tag versprach einiges, darum beschlossen wir, bereits früh nach Mauborget zu fahren. Für mich hiess das, um 5 Uhr 13 auf den Zug, um kurz vor 9 Uhr am Startplatz zu sein (Hinweis webm: Busverbindung Nyon-Mauborget verkehrt nicht im Stundentakt). Offenbar hatten andere streckenhungrige Piloten und Pilotinnen das Potenzial an diesem Frühsommertag ebenfalls erkannt. Überraschend traf ich im Bus ab Yverdon auf Michi Rohner, unseren Sportchef. Toggenburger im Waadtland sind eher selten anzutreffen – erst recht im abgelegenen Mauborget. Mit Blick über das Mittelland und den Neuenburgersee bereiteten wir uns auf den Flug vor.
Das frühe Aufstehen lohnte sich
Kurz vor 10 Uhr setzte die Thermik ein. Michi startete als einer der Ersten und fand prompt Anschluss. Als ich wenig später abhob, begannen sich bereits Wolkenstrassen zu bilden. Mit meinen Airbuddies surften wir an den Wolken entlang vorbei am Creux du Van und weiter Richtung Chasseral. Die Wolkenbasis lag zunächst noch tief bei rund 1600 Metern. Leider gelang es meinen Airbuddies Tina Hauri und Markus Gafner nicht, genügend Höhe zu gewinnen, sodass sie früh landen mussten.
An diesem Tag war defensives Fliegen gefragt. Jeder Höhenmeter war wertvoll, und ich arbeitete mich geduldig an den Wolkenseiten nach oben. Im Tagesverlauf stieg die Basis schliesslich auf rund 2000 Meter an, was mir etwas mehr Reserve verschaffte. Mit komfortabler Höhe und Rückenwind flog ich weiter bis zum Weissenstein. Dort entschied ich mich, die Krete zu verlassen und mein Glück im Flachland zu versuchen. Michi Rohner verlor ich bereits kurz nach dem Start aus den Augen. Erst später erfuhr ich, dass er irgendwo in der Weite des Juras abgesoffen war.
Abruptes Ende
Über Solothurn traf ich Linda Hoch mit ihrem neuen pinken Artik 7P. Gemeinsam kreisten wir mehrere Thermikschläuche aus. In der Gruppe zu fliegen erleichtert das Thermiksuchen im Flachland enorm – wir konnten uns gegenseitig die Schläuche anzeigen. Bei Safenwil verpasste ich jedoch den Anschluss, und zusätzlich bremste mich der Luftraum des Heliports Holziken aus. So musste ich nach knapp 120 Kilometern und rund fünf Stunden Flugzeit auf einem staubtrockenen Acker landen. Schade – der Tag hätte sicherlich noch für einen Weiterflug bis Aarau oder Brugg gereicht.
Trotzdem bleibt der Flug als fantastisches Erlebnis in Erinnerung, insbesondere das Wolkensurfen. Mauborget ist zwar etwas umständlich zu erreichen, doch die Reise ins Waadtland lohnt sich definitiv.
Link zum Flug auf XContest: https://www.xcontest.org/2025/switzerland/en/flights/detail:Barnetta/18.05.2025/08:02

Info und Anmerkung vom webmaster:
Auf den ersten Blick erscheint eine Anreise zum Streckenfliegen als mühsam – früh aufstehen, lange Zug fahren und mehrfach umsteigen. Die Zugfahrt bietet aber Gelegenheit zu Frühstück, einem Nickerchen oder dann auch Gesprächen mit anderen GS-PilotenInnen, auf die Du fast zwangsläufig triffst.
Auf dem Rückflug bist Du frei – denkst nicht an dein Auto, das am Startplatz wartet und kannst den Tag geniessen – bis das Abenteuer zu Ende ist.
Manchmal findet das Abenteuer nach der Landung sogar eine Fortsetzung 🙂



3 Minuten mit Renato unterwegs im Jura