Vorwort vom web-master: Das Thema C-2-Leiner interessiert mich. Es war 2022, als die Testbedingungen dahingehend geändert wurden, dass auch C-Schirme mit Faltleinen getestet werden können. Das war der Startschuss für den C-2-Leiner. Ozone z.B. bietet mittlerweile im C-Segment gar keine 2,5 oder 3-Leiner mehr an. Ein gewagter Schritt? Nun, ich fragte Renato Barnetta, ob er nach einer Saison auf einem C-2-Leiner einen Erfahrungsbericht schreiben würde und hier ist er….
Am Anfang stand die Faszination, einen 2-Leiner zu fliegen. Dann kam der Respekt. Und nach einer Saison beginne ich zu verstehen, wie ein 2-Leiner ideal geflogen werden will. Nach dieser intensiven Zeit ziehe ich nun Bilanz. (Renato Barnetta)
Im November 2024 erhielt ich die Gelegenheit von einem Streckenflugkollegen den Artik R (EN C 2-Leiner) vom spanischen Hersteller Niviuk zu fliegen. Da mein Alpina 4 langsam ersetzt werden musste, war dies der ideale Moment, in die Welt des 2-Leiner-Fliegens einzutauchen. Die ersten Flüge mit dem Artik R fühlten sich sehr gut an. Der Flügel ist schnell und gleitet durch die Luft wie ein heisses Messer durch Butter.
Die ersten thermischen Flüge absolvierte ich im Frühjahr im Tessin sowie in der Surselva. Dabei wurde ich rasch mit der direkten und teils heftigen Reaktion eines 2-Leiners konfrontiert. Bei einigen Flügen erwischte es mich ordentlich. Im Bedretto-Tal kassierte ich einen massiven Frontklapper – der Flügel war beinahe komplett zerstört. Es erschreckte mich, wie heftig Zerstörer und Klapper ausfallen können und wie schnell der Flügel in eine Spirale übergehen will. Mit Ruhe und gezielten Eingriffen gelang es mir jedoch jedes Mal, die Situation unter Kontrolle zu bringen. Ebenso überraschte mich, wie schnell sich der Flügel wieder öffnete und stabilisieren liess.
Meine Zwischenbilanz: aktiver fliegen und bei Störungen sofort reagieren – überrascht sein kann man später.
Mir wurde zunehmend bewusst, wie stark sich das Flugverhalten des Artik R vom Alpina 4 unterscheidet, und mein Respekt vor dem 2-Leiner wuchs. Gleichzeitig lernte ich den Flügel immer besser kennen, die Anzahl der Störungen nahm ab und das Vertrauen wuchs mit jedem Kilometer und jeder Flugstunde.
Während der Schweizer Meisterschaft konnte ich den Flügel weiter fordern und flog viel mit den Handles sowie im Speeder. Gerade mit den Handles zeigt sich der 2-Leiner deutlich stabiler. Heute fliege ich vermehrt damit, auch wenn ich am Ende des Tages häufiger mit Muskelkater lande. Dafür fühlt sich das Fliegen in der Luft wesentlich besser und kontrollierter an.
Nach 200 Stunden Airtime, 3300 Kilometern, einer Schweizer Meisterschaft und einem Siku ziehe ich mein Fazit:
Ein 2-Leiner erfordert definitiv mehr Pilotenkönnen als ein 3-Leiner. Aktives Fliegen, vorausschauendes Handeln und schnelles Eingreifen bei Störungen sind zwingend notwendig. Dafür bietet er klare Vorteile: hohe Geschwindigkeit, stabiles Flugverhalten im Speeder und eine insgesamt sehr herausstechende Performance.
Wer XC-Ambitionen hat oder regelmässig Wettkämpfe fliegt, trifft mit einem 2-Leiner eine gute Wahl. Wer hingegen vor allem geniessen möchte und keine grossen Strecken plant, ist mit einem anderen Konzept möglicherweise besser bedient. Denn der 2-Leiner würde sein Potenzial kaum entfalten können. Für mich habe ich eine klare Grenze definiert: Fliege ich in einer Saison mindestens 150 Stunden, bringe ich die nötigen Skills für einen 2-Leiner mit. Bei weniger Flugzeit erachte ich es als sinnvoll, einen Schritt zurückzugehen.
Video: Task 4 – Schweizer Meisterschaft 2025 mit meinem C-Zweileiner
Im Zusammenhang mit meiner Teilnahme an der SM 2025 habe ich folgendes Video gemacht.
Und noch die Fotos



Unterwegs im Toggenburg

Ein C 2-Leiner bietet klare Vorteile: hohe Geschwindigkeit, stabiles Flugverhalten im Speeder und eine insgesamt sehr herausstechende Performance. Aktives Fliegen, vorausschauendes Handeln und schnelles Eingreifen bei Störungen sind zwingend notwendig.