Bericht Jurafliegen

Für einen kurzen Moment engte sie mir die Brust ein, wanderte den Trapezmuskel hinauf in den Nacken und endete in einem leichten Schaudern. Die Angst kam plötzlich über mich wie ein Hauch warmer Luft welcher eine kalte Scheibe beschlägt. Es war als ob kurz die Zeit stehen blieb und alle Dinge verlangsamt ablaufen. Ich sah und fühlte etwas klarer, mein Hirn arbeitete, analysierte die Lage, beurteilte die Bewegungen der weichen, wieder ungewöhnlich gestreckten Kappe über mir, die Flugbewegungen meiner Kollegen um mich herum. Genau so schnell wie die Angst kam war sie wieder weg. Dieser intensive und schöne Moment gleich nach dem Start prägte für mich unseren Ausflug auf den Weissenstein und ich erfreute mich auch noch heute den ganzen Tag daran 🙂

Zu zwölft reisten wir nach Oberdorf und fuhren mit der Seilbahn auf den 1284m hohen Hügel. Nach einer kurzen Phase mit guten Bedingungen kehrte der Wind auf Nord und blieb so. Remy war schon als einer der Ersten gestartet und zeigte, dass es ging. Wir anderen folgten nach und nach. Die Bedingungen wurden immer besser und es hatte Thermik mit bis zu 2m integriert, welche bis 2000m reichte. Alptherm erwies sich als ziemlich genau. Der Nordwind war etwas stärker als am Vortag erwartet. Allgemein waren die Bedingungen teilweise etwas ruppig und die Thermik eng. Perfekt also um sich für den Frühling vorzubereiten.
Eine Gruppe von 3 Personen bleib noch einen Tag länger. Sie starteten am Sonntag von der Röti welche vom Startplatz Weissenstein in etwa 30min zu Fuss erreichbar ist. Sie ist für N bis O Wind besser ausgerichtet. Dort hing es etwas vom Glück ab, aber im richtigen Moment gestartet war nochmals ein schöner Flug möglich.
Bis jetzt habe ich nur positive Rückmeldungen erhalten. Der Jura hat mit seinem speziellen Charm alle in Bann gezogen. Von meiner Juraerfahrung war dieser Tag erst bei 30%, es kann dort also noch viel geiler fliegen 🙂

Roger hat noch ein kleines Filmchen gedreht – und natürlich genau im richtigen Augenblick drauf gehalten … danke Roger 🙂 Den Link zum Film findet ihr im Allgemeinen GCT Chat.

Am Landeplatz traf ich dann auf einem mir unbekannten Piloten. Er erzählte mir von dieser furchtbaren Thermik und wie es ihm wie aus heiterem Himmel die Kappe zerschlagen hatte. Sogar bei seinem ersten Flug am Morgen hatte er eine Thermik mit bis 7m/s registriert. Ich schaukelte von einem Fuss zum anderen immer heftiger hin und her und schmunzelte verlegen. Dann erzählte ich ihm wie sich bei jeder Erschütterung der Rost von meiner Kappe löste und mir in grossen Stücken in die Augen fiel und wie meine Ellenbogen bei jeder Bewegung quietschten und knarrten wie ein altes Scheunentor…